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mentalis – Digitale Nachsorge bei psychischen Erkrankungen

Seit diesem Jahr sind die digitalen Nachsorgeprogramme von mentalis über das Forschungssetting hinaus auch in der Versorgung verfügbar. Gemeinsam mit psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken sowie in enger Zusammenarbeit mit Krankenkassen und -versicherungen bieten wir Patient:innen mit psychischen Erkrankungen durch unsere digitale Nachsorge eine besondere Versorgungslösung nach voll- oder teilstationärem Krankenhausaufenthalt an. Dieser Artikel soll einen Überblick über die aktuelle Versorgungssituation, den Lösungsansatz von mentalis sowie das Team hinter mentalis geben.

    Aktuelle Versorgungssituation

    Nach erfolgter Krankenhausbehandlung aufgrund einer psychischen Erkrankung besteht bei den meisten Betroffenen ein kontinuierlicher Weiterversorgungsbedarf. Die im Krankenhaus bereits erzielten Therapieerfolge sind zum Zeitpunkt der Entlassung häufig noch fragil und es besteht eine Indikation für eine weitere Stabilisierung der Patient:innen im ambulanten Setting. Allerdings erhält ein signifikanter Anteil der Betroffenen aufgrund intersektoraler Bruchstellen zwischen dem stationären und dem ambulanten Versorgungssektor sowie langer Wartezeiten auf Folgetherapien keine oder nur eine zeitlich stark verzögerte Weiterbehandlung.

    Laut einer Untersuchung des GKV-Spitzenverbandes (Haas, 2011) entstehen auch aufgrund der mangelnden Nachsorgesituation über alle F-Diagnosen hinweg hohe Rehospitalisierungsraten von über 32% innerhalb eines Jahres.

    Somit muss ein Drittel aller Patient:innen trotz eines abgeschlossenen Klinikaufenthalts im Laufe eines Jahres nach Entlassung erneut im Krankenhaus behandelt werden. Die Folge ist ein „lose-lose-lose“ Szenario,

    1. da Patient:innen durch die Rehospitalisierungen aus ihrem Alltag entrissen werden,
    2. für Kliniken insbesondere frühe Rehospitalisierungen unwirtschaftlich sind und
    3. die Kostenträger hohe Kosten für erneute Krankenhausbehandlungen tragen müssen. 

    Der Ansatz von mentalis

    Die digitale Nachsorge von mentalis bietet eine innovative Lösung zur Überbrückung der Lücke, welche häufig zwischen Klinikentlassung und Weiterbehandlung klafft. Dazu haben wir einen blended-care Ansatz entwickelt, welcher niedrigschwellige Therapie-Apps mit psychologischem Tele-Coaching kombiniert. Dieser hybride Versorgungsansatz beginnt aus Patient:innensicht genau dort, wo Betroffene noch in engem Kontakt mit Leistungserbringern stehen, nämlich in den Kliniken. Hier erfolgt vor der Entlassung ein qualifizierter Einschreibeprozess, der technisch und prozessual in die Abläufe der Kliniken integriert ist. Dadurch, dass die Anbindung der Betroffenen an die digitalen Nachsorgeprogramme von mentalis noch in den Kliniken erfolgt, wird ein nahtloser Versorgungsablauf ohne Brüche in der Versorgungskette gewährleistet. Patient:innen verlassen das Krankenhaus dadurch mit der Therapie-App „in der Hosentasche“ sowie einem kurzfristig verfügbaren Termin für ein psychologisches Tele-Coaching.

    Die Nachsorgeprogramme

    Mit den digitalen Nachsorgeprogrammen von mentalis lässt sich eine große Spannweite an psychischen Erkrankungen versorgen. Derzeit bietet mentalis die folgenden fünf Programme an:

      Durch das breite inhaltliche Angebot soll möglichst vielen Patient:innen eine passgenaue Nachsorge auf Basis evidenzbasierter Techniken und Methoden aus Forschung und Praxis der Psychotherapie ermöglicht werden. Kernstück der Therapie-Apps ist ein intelligenter Algorithmus, durch welchen Betroffene ein personalisiertes digitales Therapieprogramm erhalten. Dieses Programm geht gezielt auf die Herausforderungen der Rückkehr in den häuslichen Alltag ein und zielt zusätzlich auf die Verstetigung der in der Klinik erzielten Behandlungserfolge ab. Komplementiert werden die Therapie-Apps durch in der Regel wöchentlich stattfindende Tele-Coachings, welche durch zertifizierte Psycholog:innen durchgeführt werden. Dieser hybride Ansatz führt zu hohen Adhärenz- und Completer-Raten und verfolgt zudem das Ziel, Patient:innen bei Bedarf in Weiterbehandlungsmaßnahmen der Regelversorgung zu überführen.

      Das Team hinter mentalis

      Die mentalis ist eine Ausgründung des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Somit ist der Anspruch an Evidenzbasierung sowie Wissenschaftlichkeit ein wesentlicher Bestandteil der mentalis-DNA. Die Wirksamkeit der mentalis Therapie-Apps wurde in diversen klinischen Studien gemeinsam mit Universitäten, Kliniken, Krankenkassen und über 1.000 Patient:innen evaluiert. Das Team von mentalis ist multiprofessionell, divers und kommt aus den Bereichen Psychologie, Ergotherapie, Gesundheitsmanagement, Wissenschaft, Design, Wirtschaft und IT. Gegründet wurde die mentalis 2018 von Alexander Ploner (Informatiker) als Verantwortlicher für die gesamte IT, von Leonhard Glomann (Designer), welcher für die Usability und User Experience der digitalen Produkte zuständig ist, sowie von Dr. Christian A. Lukas (Psychologe), der die Forschungstätigkeiten, die Versorgungsqualität der Nachsorgeprogramme sowie das Business Development verantwortet. Ergänzt wird das Gründungsteam durch Hans-Jürgen Stein (Diplom-Wirtschaftsingenieur), der insbesondere die regulatorischen und organisatorischen Tätigkeiten der mentalis verantwortet. Mit Prof. Dr. Matthias Berking hat die mentalis zudem eine Koryphäe im Bereich der digitalen Psychotherapieforschung als wissenschaftlichen Beirat an Bord. 

      Abbildung: Alexander Ploner, Hans-Jürgen Stein, Dr. Christian A. Lukas, Leonhard Glomann und Prof. Dr. Matthias Berking (von links nach rechts)

       

      Dieser Artikel wurde verfasst von unserem Redaktionsteam
      Renate Übe & Sophia Möhrle

      Literatur

      Haas, A. (2011, 21. November). Black Box Psychiatrie Was wissen wir über die Versorgungsqualität in der Psychiatriehttps://www.gkv-spitzenverband.de